Kurz: Ja. Aber aus anderen Gründen als noch vor drei Jahren.
„Wenn alle nur noch ChatGPT fragen, wozu brauche ich dann noch eine Webseite?“ Diese Frage hören wir gerade oft. Sie ist verständlich, aber zu pauschal gestellt.
Die Zahlen zeigen: KI verändert, wie Menschen zu Ihnen finden. Ob sie Sie am Ende anfragen, entscheidet weiterhin Ihre Webseite . Und die KI selbst ist auf Webseiten angewiesen, mehr als viele denken, mehr dazu in dem Abschnitt „was KI weiß und was nicht“
Wie Deutschland heute sucht
Die Suchmaschine ist weiter klar vorne, die KI ist aber längst Platz zwei.
- 79 % der Online-Suchenden nutzen Suchmaschinen, 39 % auch KI-Assistenten (YouGov, Mai 2026, 1.005 Befragte).
- 50 % nutzen zumindest gelegentlich einen KI-Chat statt einer Suchmaschine. Aber nur 7 % überwiegend und 5 % ausschließlich (Bitkom).
- 31 % fragen mindestens einmal täglich eine KI, in der Generation Z sind es 56 % (YouGov).
KI ist also eine Ergänzung, kein Ersatz. Noch. Der Trend kommt über die Jüngeren, und er wird nicht wieder verschwinden.
Was eine KI weiß und was nicht
Eine KI ist ist nicht allwissend und kein Lexikon mit Live-Anschluss. Wer das versteht, versteht, warum Webseiten wichtig bleiben.
Sprachmodelle wie Gemini, Claude oder ChatGPT haben aus Milliarden Texten gelernt. Gespeichert sind dabei keine Datensätze, sondern Verknüpfungen: Das Modell berechnet, welches Wort mit welcher Wahrscheinlichkeit als nächstes passt. Bei „Die Hauptstadt von Frankreich ist …“ ist das eindeutig. Bei Ihren Öffnungszeiten oder Leistungen nicht.
Dazu kommt: Das gelernte Wissen endet am Trainingsstichtag, was oft Monate her ist, den Training dieser LLM sind aufwändig und teuer. Für alles Aktuelle, Lokale oder Konkrete muss die KI deshalb trotzdem im Internet nachsehen. Sie nutzt eine Suchmaschine (mehr dazu welche KI weclhe Suche verwendet finden Sie in einem anderen Artikel) und liest Teile von Webseiten sowie ganze Webseiten, Unternehmensprofile und Bewertungen und fasst zusammen, was sie dort findet. Oft wertet die KI nur Titel und Snippets aus den Suchtreffern aus. Ganze Seiten ruft sie nur bei Bedarf ab.
Findet sie nichts Verlässliches, gibt es zwei Möglichkeiten. Im besten Fall sagt eine moderne gute KI „dazu habe ich keine Informationen“. Im schlechteren Fall und bei äteren Modellen erfindet sie eine plausibel klingende Antwort, die Fachleute Halluzination nennen.
Die KI ersetzt ihre Webseite also nicht. Sie liest sie.
Das Vertrauensproblem der KI
Die meisten Menschen nutzen KI, trauen ihr aber nicht über den Weg.
- Nur 36 % vertrauen Informationen von KI-Assistenten, Suchmaschinen kommen auf 72 % (YouGov).
- 42 % der KI-Suchenden haben schon falsche oder erfundene Antworten erhalten. Nur 57 % prüfen die Ergebnisse, bevor sie damit weiterarbeiten (Bitkom).
Wer prüft, braucht eine Quelle. Und die Quelle für „Was bietet diese Firma, was kostet es, wie erreiche ich sie?“ ist Ihre Webseite.
Wissen suchen ist nicht gleich Firma suchen
In fast jeder Debatte fehlt eine wichtige Unterscheidung: Wer Wissen und Informationen sucht, verhält sich anders als jemand, der ein Unternehmen sucht.
Wissensfragen („Wie funktioniert eine Wärmepumpe?“) beantwortet die KI direkt. Der Klick auf eine Webseite fällt oft weg. In Deutschland sinkt die Klickrate auf Platz 1 von 27 % auf 11 %, sobald Google eine KI-Übersicht einblendet (SISTRIX, Feb. 2026). Größter Einzelverlierer ist bezeichnenderweise ein Lexikon: Wikipedia verliert dadurch rund 31,6 Millionen Klicks im Monat (SISTRIX via PPC Land). Oder Webseiten die allgemein gültige Informationen anbieten.
Unternehmenssuchen laufen anders. Wer eine Firma beauftragen will, will Leistungen, Preise und Ansprechpartner sehen, und landet auf der Webseite. Markensuchen sind kaum betroffen, die Verluste konzentrieren sich auf Suchen ohne Firmennamen (Search Engine Land). Auch die Nutzer selbst setzen KI vor allem ein, wenn sie schnelle Antworten, Zusammenfassungen oder eine Bestätigung wollen (YouGov via Notebookcheck).
Zur Einordnung: KI-Übersichten erscheinen bei rund 20 % der deutschen Suchbegriffe. Über alle Suchbegriffe gerechnet liegt der Klickverlust bei etwa 6,6 % (yagemi zur SISTRIX-Analyse). Dramatisch für Ratgeberseiten, überschaubar für die meisten Firmenwebseiten.
Aber: Die Vorauswahl wandert in die KI
Ganz so bequem ist es für Unternehmen trotzdem nicht. Die Frage „Welche Firma?“ wird zunehmend der KI gestellt.
Probieren Sie es aus: Fragen Sie ChatGPT, Gemini oder Perplexity nach einer guten Online-Werbeagentur in Bayreuth oder Oberfranken. Danach dieselbe Frage für Ihre eigene Branche und Region. Die KI liefert drei bis fünf Namen, zusammengestellt aus Webseiten, Unternehmensprofilen und Bewertungen. Welche Signale dabei wie stark zählen, legt kein Anbieter offen.
Die KI erstellt die Shortlist, Ihre Webseite muss danach überzeugen. Wer nicht auf der Shortlist steht, wird oft nicht erst besucht. Dazu gibt es in Deustchland aber aktuell keine validen Daten.
Kleiner Hinweis zum Test: KI-Antworten schwanken. Dieselbe Frage kann beim zweiten Versuch andere Namen liefern. Fragen Sie deshalb mehrmals und in mehreren Tools. Eingeloggt mit Ihrem Account wird es andere Ergebnisse ausgeben als bei jemand anderem oder wenn Sie nicht eingeloggt sind. Das ist bei Google schon so gewesen.
Weniger Besucher, bessere Besucher
Wer über eine KI auf Ihre Seite kommt, hat sich meist schon informiert und ist näher an einer Entscheidung.
In den USA konvertierten KI-vermittelte Besucher im Handel im Juli 2026 um 60 % besser als anderer Traffic (Adobe via Craftshift). Die Menge ist noch klein: KI-Verweise machen erst rund 0,32 % des gesamten Website-Traffics aus, wachsen aber stark (SE Ranking). Deutsche Vergleichszahlen gibt es dazu noch nicht. Wir haben hier jedoch sehr gemischte Erfahrungen sammeln können.
Folge für die Erfolgsmessung: Seitenaufrufe verlieren an Aussagekraft. Was zählt, sind Anfragen, Anrufe und letztendlich die daraus generierten Aufträge.
Was die Webseite braucht und was nicht
Eine gut gemachte, sauber optimierte Webseite ist automatisch eine gute Wissensquelle für KI. Tricks braucht es dafür nicht.
Was rein muss:
- Klare, prüfbare Fakten: Leistungen, Preisrahmen, Einzugsgebiet, Öffnungszeiten, Ansprechpartner.
- Was nur Sie sagen können: Referenzen, Erfahrung, eigene Zahlen, echte Kundenstimmen.
- Saubere Technik: Inhalte als Text statt im Bild, für Suchmaschinen einfach uns schnell erreichbar. Strukturierte Daten, wo sie zum sichtbaren Text passen. Also z.B. Schema.org-Markup (JSON-LD), z. B. LocalBusiness mit Adresse und Öffnungszeiten. Google schreibt, dass alles darin auch sichtbar auf der Seite steht, nicht nur im Code. So empfiehlt es Google im eigenen Leitfaden zu KI-Funktionen.
Was Sie sich sparen können:
- llms.txt und Extra-Seiten für Bots. Googles Leitfaden vom Mai 2026 nennt solche Dateien als unnötig für die Sichtbarkeit in KI-Übersichten (Passionfruit). Google-Sprecher John Mueller vergleicht llms.txt mit dem längst toten Keywords-Meta-Tag. In Server-Logs von 137.000 Domains rief bei 97 % niemand die Datei ab (Let’s Data Science).
- Texte in KI-Häppchen zerlegen („Content Chunking“). Googles Danny Sullivan hat nach Rücksprache mit den Entwicklern klar davon abgeraten. Google will keine zweite Version Ihrer Inhalte nur für Maschinen (iPullRank).
- „KI-Plugins“ und Embeddings auf der Webseite. Jedes Sprachmodell rechnet Texte intern in seine eigenen Zahlenwerte um. Vorberechnete Werte eines anderen Modells kann es nicht verwenden. Einen belegten Nutzen solcher Plugins haben wir nicht gefunden.
- Keyword-Dichte nach Formel. Suchmaschinen und Sprachmodelle rechnen intern zwar mit Zahlen. Wer aber Begriffe in exakt berechneter Häufigkeit in einen Text presst, unterschätzt, wie gut moderne Modelle Sprache verstehen. Er optimiert für ein Tool-Dashboard, nicht für die Suchmaschine und erst recht nicht für den Leser.
Fairerweise: Das sind Aussagen von Google über Google. ChatGPT und Perplexity haben sich dazu nicht offiziell geäußert. Unabhängige Studien, die einen Nutzen dieser Maßnahmen belegen, gibt es bisher aber auch nicht.
Welche Versprechen von KI-Optimierungsanbietern halten und welche nicht, schauen wir uns in einem eigenen Beitrag zu den größten KI-SEO-Mythen an. Hintergründe zur Optimierung für KI-Suchen finden Sie außerdem in unserem Beitrag zu GEO – Generative Engine Optimization.
Fazit: Nicht die Webseite stirbt, sondern Klick und Suchmaschinen-Platz als Erfolgsmaß
Ja, Sie brauchen in Zeiten von KI noch eine Webseite. Sie ist die Quelle, aus der KI-Systeme ihre Antworten über Ihr Unternehmen bauen, und der Ort, an dem Interessenten nachprüfen.
Nur muss sie heute mehr überzeugen als je zuvor. Und zwar zwei Leser: den Menschen, der anfragen soll, und die KI, die entscheidet, ob er Sie überhaupt zu sehen bekommt.
Sie wollen wissen, wie Ihr Unternehmen in ChatGPT & Co. dasteht? Sprechen Sie uns an.
Quellen
- YouGov: KI-Assistenten zweithäufigste Informationsquelle (2026)
- onlinemarketing.de: Analyse der YouGov-Studie
- Bitkom: Internet-Suche im Wandel
- heidelberg24: Bitkom-Zahlen zu Fehlern und Prüfung
- Search Engine Journal: SISTRIX-Analyse Deutschland
- PPC Land: SISTRIX, 265 Mio. verlorene Klicks
- yagemi: Einordnung Gesamtverlust
- Search Engine Land: Markensuchen vs. generische Suchen
- Notebookcheck: YouGov zu KI-Nutzungsanlässen
- Craftshift: Adobe-Daten zu KI-Konversion
- SE Ranking: KI-Traffic-Studie
- Google Search Central: AI features and your website
- Passionfruit: Googles Leitfaden zu llms.txt
- Let’s Data Science: Mueller zu llms.txt, Ahrefs-Logdaten
- iPullRank: Danny Sullivan zu Content Chunking
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